SMI-Netzwerke im Test: WIKIFOLIO – Der Trader als Investment-Zertifikat

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Kurzinfo: Wikifolio.com

Am 1.8.2012 startete die österreichische Social Trading Plattform „Wikifolio“ um Gründer und IT-Spezialisten Andreas Kern in Deutschland. Das Handelsblatt, der S-Broker der Sparkassen und das Portal OnVista haben sich an der Plattform beteiligt und beschleunigen Bekanntheitsgrad wie Vertrieb des „Wikifolio Konzeptes“.

Auf der Plattform können Anleger Musterdepots (Wikifolios) veröffentlichen, managen und anderen Depots folgen. Besonders populäre/erfolgreiche Wikifolios werden von Lang & Schwarz als Investmentzertifikat herausgegeben und damit für jedermann ab einem Betrag von nur 100 Euro investierbar.

Vom Wikifolio-Manager können sowohl Aktien, Fonds, Anleihen und ETFs in das jeweilige Depot eingebaut werden. Damit verfügt Wikifolio über das bislang grösste Anlageuniversum aller deutschsprachigen Social Trading Plattformen.

Der Handel wird über die außerbörsliche Investment-Plattform von „Lang und Schwarz“ abgewickelt, welche die Wikifolio Social Trading Technologie von der Wikifolio Financial Technologies GmbH lizensiert hat.

Basisdaten:

Webseite: www.wikifolio.com

Themenfokus: Musterdepots mit einem breiten Anlageuniversum von derzeit 3000 handelbaren Basiswerten (Fonds, Aktien, Anleihen und ETFs)

Mitglieder: ca. 100.000 aktive Nutzer seit dem Start in Deutschland

Sonstiges: Seit dem Start wurden bereits über 250 Millionen Euro mit Wikifolios umgesetzt; Über 75% der investierbaren Wikifolios befinden sich derzeit im Plus

Die Grundidee: Der Trader als Zertifikat

De Grundidee von Wikifolio unterscheidet sich nur unwesentlich von der des führenden Social Trading Anbieters E-Toro. Im Netzwerk soll sich die Spreu vom Weizen trennen und die besten Musterdepots in den Fokus des Netzwerkes gelangen. Am Erfolg dieser Musterdepots kann dann das gesamte Netzwerk teilhaben.

Neu am Wikifolio-Konzept ist jedoch, dass die erfolgreichsten Musterdepots nicht – wie bei E-Toro – auf „Copytrading“-Basis imitiert, sondern von Lang und Schwarz als Zertifikat emittiert und in Echtzeit nachgebildet werden.

Jedes dieser Wikifolios erhält eine Wertpapierkennnummer (WKN) und wird öffentlich an der Börse gehandelt.

Dies spart den Anlegern Zeit für die Umsetzung eigener Anlagestrategien & die Gebühren für Einzeltrades und Umschichtungen im Depot.

Zudem ist das Anlageuniversum  der Plattform bedeutend größer als bei anderen Social Trading Anbietern, wie z.B. E-Toro. Dies ermöglicht eine viel größere Vielfalt an Anlagestrategien für die Wikifolio-Manager und deckt damit auch eine viel größere Anzahl von Anlegerbedürfnissen und -interessen ab.

Dem Manager investierbarer Wikifolios winkt im Erfolgsfall ein Zusatzeinkommen in Form einer Performancegebühr, die er selbst festlegen darf. Diese teilt er sich mit der Plattform.

Erfahrungsbericht: So einfach funktioniert Wikifolio …

Mit der Basis-Registrierung per Nutzernamen und E-mail hat man sofort Zugriff auf das gesamte Universum zertifizierter und veröffentlichter Wikifolios. Man kann jedem beliebigen Wikifolio folgen und die Aktivitäten des jeweiligen Managers nachvollziehen. Folgt man einem Wikifolio, muss man zugleich eine unverbindliche Investitionsabsicht angeben. Diese reicht von 100 bis 5.000 Euro.

Will man selbst ein Wikifolio erstellen, muss man zunächst eine Anlagestrategie formulieren und ein Traderprofil anlegen. Als letzten Punkt definiert man die Basiswerte, die man in seinem Wikifolio handeln will und eine „Performance Gebühr“ zwischen 5 und 30% der für die Anleger erzielten Gewinne.

Die Performance Gebühr wird dem Wikifolio-Manager prozentual an jedem Tag ausbezahlt, an dem sein Wikifolio einen neuen Höchststand erreicht und vom Preis des Wikifolios am folgenden Tag abgezogen.

Um publiziert zu werden, muss man als Manager mindestens eine Transaktion in seinem Wikifolio durchführen. Das fällt nicht schwer.

Bevor das publizierte Wikifolio investierbar wird, muss eine Testphase von 21 Tagen durchlaufen werden. Zudem benötigt man mindestens 10 Follower und 10.000 Euro an unverbindlichen Investitionsabsichten (siehe oben) aller Follower insgesamt.

Hat man diese 3 Kriterien erfüllt, muss noch ein Identitätsnachweis erbracht werden, bevor das Wikifolio zertifiziert und für andere Mitglieder der Community investierbar wird. Alle zertifizierten Wikifolios sind an der Börse Stuttgart gelistet.

SMI-Meinung: Technisch perfekte Umsetzung mit vielen Vorteilen für private Kleinanleger und SMI-Anleger

Wikifolio beeindruckt durch eine traumhaft einfache Usability. Sowohl für Anleger als auch Trader ist es kinderleicht, die Plattform zu bedienen. Die technische Umsetzung kann nicht genug gelobt werden: Die Plattform stürzt trotz insgesamt hohem Datenaustauschvolumen so gut wie niemals ab.

Als Anleger findet man im Vergleich zu z.B. E-Toro ein massiv erweitertes Angebot an interessanten, hochwertigen Investment-Strategien.

Als Wikifolio-Manager ist es einfach, ein Musterdepot zu führen und sich die Chance auf ein Zusatzeinkommen zu sichern.

Der SMI-Anleger findet als „Follower“ interessanter Musterdepots viele gute Anregungen für eigenen Transaktionen.

Unter Gebührenaspekten hochinteressante Vertriebsalternative zu Fonds mit höchstmöglicher Transparenz

Das Wikifolio-Konzept steht letzendlich in direkter Konkurrenz zum Fondskonzept.

Der Vorteil des Konzeptes für Privatanleger liegt in Gebührenstruktur, einer viel höheren, tagesaktuellen Transparenz sowie hohen Flexibilität bei der Auswahl interessanter Anlagestrategien und Anlagebeträge.

Bei einer Verwaltungsgebühr von 0,95% pro Jahr spart man neben Zeit die Ausgabeaufschläge für Fonds und diverse Ordergebühren und Umschichtungskosten im Depot. Es ist billiger in das Zertifikat zu investieren, als das Wikifolio nachzubilden.

Zudem ist die Performance einzelner Wikifolios besser als jene vieler Fonds, erst recht nach Abzug von Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühren. Es ist auch deutlich einfacher, seine Anlagen zu diversifizieren als mit Fonds.

Kleine Schönheitsfehler: Bonitätsrisiko und hohe Spreads auf der „L&S-Plattform“

Ein Nachteil ist jedoch, dass man mit dem Wikifolio-Zertifikat dem Bonitätsrisiko des Emittenten „Lang und Schwarz“ unterliegt, was bei einem Fond nicht der Fall ist. Im Klartext: Geht das Bankhaus pleite, ist das Geld weg.

Man wird nicht direkter Miteigentümer der im Wikifolio enthaltenen Werte, sondern partizipiert „nur“ an deren Wertentwicklung. 

Des weiteren ist der Handlungsspielraum der Wikifolio-Manager durch die Begrenzung auf 3000 handelbare Basiswerte noch eingeschränkt. Als Wikifolio-Manager kann man bei weitem nicht alle Vermögenswerte ins Depot aufnehmen, die man für die Umsetzung seiner Anlagestrategie gerne hätte.

So konnten wir z.B. das SMI-Musterdepot leider nicht erfolgreich nachbilden, wie es ursprünglich unsere Absicht war.

Auch die Möglichkeiten, an fallenden Märkten zu partizipieren sind noch begrenzt, obgleich vorhanden.

Ein (noch) eher großes Manko sind die im Vergleich zu anderen Börsen hohen Spreads ( die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs) auf der Plattform.

Diese sind im Durchschnitt deutlich höher und müssen vom Wikifolio-Manager erst einmal zurück erwirtschaftet werden. Denn der Wikifolio-Manager kann nur zum Briefkurs kaufen und zum deutlich niedrigeren Geldkurs verkaufen.

Auch können keine Limits eingegeben werden, wodurch es für den Wikifolio-Manager zeitaufwendiger wird, seine Wikifolio-Strategie erfolgreich umzusetzen.

Diese kleinen Schönheitsfehler sind zu verschmerzen und werden im Verlauf der weiteren Entwicklung der Plattform sicherlich verbessert werden.

Ein anderer Aspekt könnte das Wikifolio-Konzept trotz allem erwiesenen Nutzen, feinster Usability und technischer Ausgewogenheit ins Wanken bringen sowie den Erfolg der Plattform nachhaltig gefährden.

  1. 5. Juni 2013

    Metatrader

    Glückwunsch – ein Erstklassiges Review !

    Grüsse Metatrader

  2. 9. Juni 2013

    Kai Peters

    Ziemlich viel Text … aber lesenswert …wie wäre es mit ein paar Bildern in den Artikeln?

  3. 14. Juni 2013

    Wikitrader

    Ich den „Knackpunkt des Wikifolio Konzeptes“ gut nachvollziehen, da ich selbst ein bereits investierbares Wikifolio manage.

    Seit dem „Crash“ im Dax bei 8500 Punkten bin ich meilenweit vom High-Watermark entfernt.

    Bis auf ein ETF mit Hebel 2 hatte ich jedoch kaum eine Chance, das Depot gegen Kursverluste abzusichern – ausser alles zu verkaufen. Das kostet aber hohe Spreadkosten … etwas frustrierend.

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