Anleihen

 

Was sind Anleihen ? –  Schuldscheine mit Kupon-Vergütung

Anleihen sind seit dem Mittelalter gebräuchlich. Sie ähneln den Schuldverschreibungen der Fugger. Im Prinzip ist die Anleihe auch heute noch eine Schuldverschreibung; sie nennt sich nur neudeutsch „Festverzinsliches Wertpapier“ bzw. „Rentenpapier„.

Der Anleiheinhaber leiht dem Schuldner für Unternehmungen oder zum Konsum Geld und erhält dafür einen festen Gewinnanteil, den Anleihezins. Am Ende der Laufzeit einer Anleihe erhält er den ursprünglich verliehenen Betrag zurück. Eine klassische Anleihe-Urkunde verbrieft formal die Forderung der Gläubigers bzw. die Schuld des Schuldners; sie besteht aus Mantel und Bogen.

Im Mantel wird die Forderung des Gläubigers bzw. die Schuld des Schuldner rechtlich verbrieft. Der Bogen besteht aus Zinskupons zur Geltendmachung der vereinbarten Zinsen. Wer immer im Besitz der Anleihe ist, kann die Schuldforderungen und Anleihezinsen gegenüber dem Schuldner geltend machen.

Heute werden Anleihen vom Emittenten ( der beauftragten Bank) des Schuldners hinterlegt und meist rein „virtualisiert“ gehandelt. Kupons müssen in diesem Fall nicht mehr eingereicht werden.

Anleihen können am Rentenmarkt der Börse zum jeweils aktuellen Kurs ge- und verkauft werden. Wie Aktien unterliegen sie Kursschwankungen („Volatilität“). Die Volatilität von Anleihen ist jedoch viel geringer. Ein Kurs von „100“ bedeutet, dass eine Anleihe zu 100% des in ihr verbrieften Geldwerts gehandelt wird.

Wozu Anleihen ? – Die Deflationsanlage schlechthin …

Anleihen eigenen sich besonders gut, um in Zeiten niedriger Wirtschaftsaktivität und/oder fallender Zinsen überdurchschnittliche und relative sichere Renditen zu erzielen.

In Zeiten ohne hohe Inflationsrisiken eigenen sie sich auch für Anleger, die mit ihren Anlagen mehr als die Geldmarktzinsen erwirtschaften wollen, ohne dafür zu hohe Risiken eingehen zu müssen.

Doch Vorsicht! – In Zeiten fallender Zinsen und bei steigender Inflationsrate können sich auch Anleihen durch das ungünstige Zusammenspiel von Risikofaktoren als wahre Vermögenskiller erweisen !

Anleihen sind insgesamt eine klassische DEFLATIONS-Anlageklasse, da in einer Deflation der Wert des geschuldeten Geldes steigt.

Risiken von Anleihen – Unsicherer als gedacht !

Obwohl Anleihen als risikoarme, konservative Anlage gelten, unterliegen auch sie einigen Risiken, welche den Wert und die Rendite der Anlage teilweise beträchtlich mindern können. Die Hauptrisiken von Anleihen für private Kleinanleger sind in absteigender Reihenfolge: Ausfallrisiko, Zinsrisiko, Inflationsrisiko, Währungsrisiko, Kündigungsrisiko und Liquiditätsrisiko.

Ausfallrisiko, Ratings & „Credit Default Swap“

Je schlechter die Bonität des Schuldners, desto höher ist das Ausfallrisiko der Anleihe, d.h. das Risiko am Laufzeitende sein Geld nicht mehr oder nicht in vollem Umfang zurückzubekommen – einfach, weil es verbraucht ist und während der Laufzeit nicht genug Rendite erwirtschaftet hat.

Schuldner mit schlechter Bonität müssen als Risikoausgleich deshalb meist einen höheren Kupon beziehungsweise höhere Zinsen anbieten. 

Die Bonität wird von unabhängigen Rating-Agenturen fortlaufend analysiert. Die Bonität kann sich während der Laufzeit ändern.

Anleihen von Schuldnern mit schlechter Bonität und hohem Ausfallrisiko sind Junk bonds.

Um das Ausfallrisiko für den Anleger zu reduzieren, übernehmen Anleiheversicherer dieses Risiko. Um eine Anleihe zu versichern kann man man einen „Credit Default Swap“ erwerben. Im Falle eines Ausfalls, erhält man über den CDS vom Anleiheversicherer den vollen Betrag zurück.

Zinsänderungsrisiko: „Aargh“ – Warum fällt der Kurs meiner Anleihe „plötzlich“ so stark?

Steigen die Geldmarkt-Zinsen, fallen die Kurse von Anleihen, weil in diesem Fall am Geldmarkt mit deutlich weniger Risiko mehr Zinsen erzielt werden können, als am Rentenmarkt.

Währungs-/Wechselkursrisiko: „Oh No !“ – Ich habe am Laufzeitende „plötzlich“ 20% weniger Geld zurück bekommen !

Wenn sie Anleihen in ausländischer Währung kaufen, kann eine Steigerung des Wechselkurses in der Währung Ihrer Anleihen-Anlage empfindliche Rendite-Einbussen sowohl bei den Zinsen als auch beim Rückzahlungsbetrag zur Folge haben. Umgekehrt kann ein Fall der ausländischen Währung gegenüber der Währung ihres Wirtschaftsraumes die Rendite ihrer Anleihen-Anlage überproportional steigern.

Achten Sie also beim Kauf ausländischer Anleihen auf lang- und mittelfristig Währungstrends.

Das Währungsrisiko kann durch Währungsoptionen oder Währungs-Terminkontrakte reduziert werden.

Inflationsrisiko: Hoppla, von meiner Anleihe-Rendite kann ich mir viel weniger kaufen, als zu Anlagebeginn!

Je länger die Laufzeit, desto höher ist das Inflationsrisiko.

Das Inflationsrisiko kann durch den Erwerb von inflationsindizierten Anleihen ausgeschaltet werden. Davon gibt es jedoch nicht sehr viele …

Liquiditätsrisiko: Ooops, – ich finde nicht genügend Käufer für meine Anleihen!

Es ist möglich, dass es – wenn eine Anleihe kurzfristig verkauft werden soll – zu großen Kursabschläge kommen kann. Da die Nominalwerte von Anleihen oft höher sind als bei Aktien, braucht es um eine bestimmte Anleihe zum Kurs von „100“ zu erwerben oft mehrere Tausend Euro. Besonders bei exotischen Anleihen und solchen kleinerer Unternehmen kann es passieren, dass sich kurzfristig nicht genügend Käufer für mehrere dieser Anleihen finden lassen – die kurzfristig Nachfrage also nicht ausreicht, um ihren Liquiditäsbedarf zu decken.

Kündigungsrisiko: „Ich zahl jetzt einfach keine hohen Zinsen mehr, Hier hast Du Dein Geld zurück!“

Viele Emittenten von Anleihen behalten sich das Recht vor, diese vor Ende der Laufzeit zurückzuverlangen oder zu „kündigen“.

Dies geschieht meist, wenn die Zinssätze fallen und der Emittent seine Kosten senken könnte, indem er einfach neue Anleihen mit einem geringeren Zins ausgibt. Besitzen Sie zufällig eine kündbare Anleihe, erhalten Sie statt dem derzeitigen Marktkurs ( z.B. 106,75) nur den Nennwert der Anleihe („100“) zurück. Ausserdem erhalten Sie nicht die geplanten Zinsen und müssen sich eine neue Anlage für Ihr Geld suchen !!

Wegen des Risikos, dass Sie nicht den erwarteten Ertrag erhalten, gibt es für kündbare Anleihen normalerweise einen höheren Zinssatz als für vergleichbare unkündbare Anleihen. Wenn Sie Anleihen kaufen, erkundigen Sie sich darüber,  ob und wann sie womöglich gekündigt werden können.

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